Gedanken zur Entstehung des Turiner Grabtuchs

Frage: Kann das Turiner Grabtuch ein Gemälde sein?

Antwort: Es kann nicht gemalt sein, weil jeglicher Farbauftrag fehlt! Man kann erst aus einer Entfernung von 1,5 – 2 m überhaupt etwas erkennen.

Ein Maler hätte somit sein eigenes Werk beim Malen kaum sehen können (und außerdem hätte er dazu einen ca. 1,5 – 2 Meter langen Pinsel benutzen müssen).

Frage: Kann es dann vielleicht ein Abdruck sein?

Antwort: Es kann auch kein Abdruck sein, weil bei einem direkten Abdruck ein stark verzerrtes Abbild entstanden sein müsste. Beispiel: Man färbt das Gesicht eines Menschen mit Farbe ein und legt ein Tuch darüber, um einen Abdruck zu erhalten. Wie man sich unschwer vorstellen kann, entsteht bei dieser Technik ein stark verzerrtes Bild. Somit entfällt auch diese Möglichkeit.

Frage: Kann es sich eventuell um ein richtiges Foto oder eine Aufnahme mit einem magischen Kasten (Lochkamera, Blackbox) handeln?

Antwort: Weil ein Foto nur reflektiertes Licht mit Helligkeitsunterschieden anzeigt; Helles ist hell, Dunkles ist dunkel, kann es auch keine fotoähnliche Aufnahme sein. Bei Turiner Grabtuch korrelieren die verschiedenen Farbnuancen exakt mit den entsprechenden Abständen des Körpers zum Tuch. Beispiel: Der Nasenrücken erscheint dunkel, er liegt nahe am Tuch – oder: Der Augenhöhlenbereich erscheint hell; er liegt weiter vom Tuch entfernt. In der Negativaufnahme (Farbumkehr) erkennt das menschliche Auge einen schwer misshandelten Körper eines Mannes im mittleren Lebensalter.

Frage: Wie kann man sich dann die Entstehung des Turiner Grabtuchs vorstellen?

Antwort: Es kann sich beim Grabtuch von Turin eigentlich nur um eine Parallelprojektion handeln! Begründung:

Abgesehen von heute noch sichtbaren Blutabdrücken und –auflagerungen, welche vermutlich durch direkten Kontakt mit dem Tuch entstanden sein müssen, kann es sich beim Turiner Grabtuchbild eigentlich nur um eine Parallelprojektion handeln. Eine Parallelprojektion ist nach Kenntnis von Herrn Prof. Heinrich Pfeiffer; "undenkbar ohne ihre drei grundsätzlich notwendigen Elemente: Die Energiequelle, normalerweise Licht; ein Projektionsobjekt, das für Licht transparent sein muss; und eine Vorrichtung, die die parallele Bündelung der Projektionsstrahlen bewirkt. All diese drei Elemente müssen wir aber in dem Leichnam eines toten Gekreuzigten annehmen, der auf diese einmalige Weise, nämlich durch Parallelprojektion, sein Bild in dem Tuch hinterlassen hat.

Man muss sich das einmal richtig konkret vorstellen, wie ein solches Bild durch Parallelprojektion entstehen soll. Der Körper müsste so erleuchtet sein, dass nur seine Oberfläche abstrahlt, und diese Strahlen müssen auch noch parallel ausgerichtet werden, ganz abgesehen davon, dass die Lichtquelle im Körper selbst liegen muss".

(Zitat von Prof. Heinrich Pfeiffer, geb. 1939 in Tübingen, Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie, Geschichte und Romanistik; Eintritt in die SJ 1963, Studium der Theologie. Professor an der Päpstlichen Universität Gregoriana, Rom. Aus: "Eckpunkte zum theologischen Christusbild", Untertitel: "Das Grabtuch von Turin", Frühjahr 2003 in "Communio" veröffentlicht.)

Diese Möglichkeit einer Parallelprojektion ist bis heute die einzig plausible Erklärung, die uns verständlich machen kann, warum die dunkler getönten Stellen im Tuch an jenen Stellen zu finden sind, wo die Fasern der Fäden an ihrer dem Objekt zugewandten Seite am stärksten "angegriffen" erscheinen. Genauso erklären sich durch diese Theorie alle Zwischentöne im grau-gelblichen Bereich, die jeweils genauen proportionalen Abständen des Körpers zum Tuch im Millimeter- und Zentimeterbereich entsprechen.

Abbild heißt auf Griechisch "Ikone". Man kann also ruhigen Gewissens sagen, dass das Turiner Grabtuch mit relativ großer Gewissheit ein direktes originales Abbild (Ikone) war und ist. Es entspricht somit außerdem dem seit Urzeiten bekannten Begriff "acheiropoietos" = "nicht von Menschenhand gemachtes Bild (Abbild)". Es handelt sich hierbei um eines von mindestens zwei heute noch vorhandenen Gegenständen, den wahren Urbildern (= vera icon), von denen das andere der Schleier von Manoppello ist. Das Turiner Grabtuch zeigt durch die eigentliche "Unmöglichkeit" seiner Existenz, dass die menschliche Neugier niemals den letzten Schleier wird lüften können.

Dorothea Link, Oktober 2003

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