Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Mitglieder des Freundeskreises des wahren Antlitzes Christi!

Ich begrüße Sie recht herzlich zu der diesjährigen Mitgliederversammlung. Besonders hat es mich gefreut, dass wir Herrn Dr. van den Hövel und Frau Professorin Dr. Gruber für einen Vortrag gewinnen konnten. Pater Pfeiffer musste leider absagen. Seinen Beitrag werden wir in der nächsten Vera Icon abdrucken.


Zwar hat sich die Mitgliederzahl des Freundeskreises des wahren Antlitzes Christi im vergangenen Jahr leicht auf 170 erhöht, dennoch hat es in der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion keinerlei Fortschritte gegeben. Vielmehr wurde, wie in der letzten Ausgabe der VERA ICON ausführlich berichtet wurde, auf der Tagung in Würzburg vom 16. bis 18.10.2014 mit dem Thema "Ursprung und Herkunft des Christusbildes" der Volto Santo völlig aus der Diskussion ausgeblendet. An dem Würzburger Kongress hatten Herr Pfr. Läufer, Frau Schrader und ihr Mann und Pfr. Claußnitzer als Vereinsmitglieder teilgenommen.

Zu Recht hat Pfarrer Läufer in seiner in der letzten VERA ICON veröffentlichten Stellungnahme zu dieser Wissenschaftskonferenz darauf hingewiesen, dass das Mandylion von Edessa, das 944 nach Konstantinopel gekommen ist, nicht das Urbild für die ab 550 gemalten Ikonen sein kann, weil jedermann erkennen kann, dass von dem schwachen Negativbild niemals ein Positivporträt von Christus hätte gemalt werden können. Jede Bezugnahme auf den Volto Santo als zweites nicht von Menschenhand gemachte Bild wurde auf dieser Wissenschaftlerkonferenz vermieden, weil die Teilnehmer auf der Würzburger Tagung über "Ursprung und Herkunft des Christusbildes" offenkundig wie auch die Teilnehmer auf der diesjährigen Tagung vom 17. – 18. März in Wien über die Spuren vom Heiligen Antlitz davon überzeugt waren, dass es sich bei dem Volto Santo um ein gemaltes Bild handeln würde.
Von Traudl Wally wurde als Ergebnis der Wiener Tagung festgehalten, dass es sich bei dem Schleier von Manoppello nicht um Muschelseide, sondern um feinstes Leinen handeln würde, dass keine Deckungsgleichheit mit dem Grabtuch von Turin bestehen würde und dass das Gesicht auf dem Volto Santo ein Gemälde niederländischen Ursprungs aus dem 15. Jh. sei. Pfr. Läufer hat eine kritische Stellungnahme zu diesen Thesen der Wiener Tagung verfasst. Obwohl er in seiner Stellungnahme dargelegt hat, dass historische und kunstgeschichtliche Gesichtspunkte eindeutig gegen diese Behauptung sprechen, dass der Volto Santo ein Gemälde des 15. Jh. sei, erhielt er bis heute keine Antwort von Frau Wally. Einen Fortschritt der Diskussion um das Urbild der Ikonen kann es, wie Pfarrer Läufer in seiner Stellungnahme zu Recht betont hat nur geben, wenn man das Konkurrenzdenken zwischen Turin und Manoppello überwindet und erkennt, dass es sich um zwei Grabtücher handelt, die sich gegenseitig ergänzen.

Da in der Tradition der Ostkirche das Abgarbild und von den Turiner Grabtuchforschern das Turiner Grabtuch als Urbild für alle Christusikonen angesehen wird, ist die Diskussion um die Frage der Authentizität des Volto Santo festgefahren.

Allerdings gibt es neben diesen negativen Berichten in der Auseinandersetzung um die Grabtücher Jesu auch Positives zu berichten. Sr. Blandina ist es gelungen, einen Raum für eine Ausstellung des Volto Santo von der Gemeinde Manoppello zur Verfügung gestellt zu bekommen. Da es aber von Seiten der Gemeinde keinerlei finanzielle Unterstützung gibt, ist sie zur Verwirklichung der Ausstellung auf Sponsoren angewiesen. Sie hat deshalb an den Penuel-Verein die Bitte gerichtet, einen Teil der Finanzierung zu übernehmen.

Frau Schrader hat sich im Mai die Ausstellung angesehen und war begeistert davon. Es ist schön, dass nun im Zentrum von Manoppello neben der Kirche San Nicola, wo nach der Tradition der Schleier übergeben worden ist, sich nun eine Ausstellung über den Volto Santo befindet, so dass sich jeder Besucher mit dem Bildmaterial und Ergebnissen der Forschung vertraut machen kann.

Vielleicht wird es ja in Zukunft einmal gelingen, dass sich auch Wissenschaftler des Turiner Grabtuchs diese Ausstellung ansehen und ein rationaler Dialog möglich ist. Zu einem Dialog kann es allerdings nur kommen, wenn man davon überzeugt ist, dass weder das Turiner Grabtuch noch der Volto Santo ein Gemälde bzw. ein gemaltes Christusbild ist. Bei einem gemalten Bild geht es um neue Christusbilder entsprechend der individuellen Wahrnehmung. Am Beispiel der gemalten Christusbilder kann man z. B. den individuellen künstlerischen Umgang in Vergangenheit und Gegenwart aufzeigen. Ebenso kann man auf Seiten der Rezipienten studieren, wie ein Bild subjektiv auf einen Betrachter wirkt. Man muss sich dann aber immer darüber im Klaren sein, dass es bei der Thematisierung der individuellen künstlerischen Gestaltung eines Christusbildes oder der individuellen, subjektiven Wahrnehmung des Betrachters immer um eine subjektive Ebene handelt. Jemand kann z. B. tief von dem Bild von der Kreuzigung von Grünewald erschüttert sein und von seinem Bild der Auferstehung beglückt sein, ein anderer nicht.

Wenn man davon überzeugt ist, dass weder das Turiner Grabtuch noch der Voltos Santo von Menschenhand gemalt worden sein kann, dann steht nicht mehr die Frage der subjektiven Rezeption im Mittelpunkt, sondern die Frage der Authentizität. Deshalb ist die Rekonstruktion des geschichtlichen Verlaufs der Verwahrung der Grabtücher und der Vergleich mit den im Neuen Testament bezeugten Berichten von konstitutiver Bedeutung.

Nach Auffassung von Pater Pio ist der Heilige Schleier von Manoppello das "größte Wunder", das wir besitzen. Das äußerte er 1963. Im September 2014 erinnerten Bischof Roberto Mallari von Nueva Eciuja, in Anwesenheit von Erzbischof Florentino Lavarias von Pampanga und Bischof Floretnino Cenens von Tarlac, geleitet vom Priester der Pfarrei der unbefleckten Empfängnis Fr. Christian Magtalas und Frater Carmine Cucinelli, Rektor der Basilika vom Heiligen Antlitz von Manoppello, daran und inthronisierten das Schweißtuch von Manoppello. Es handelte sich um eine exakte Nachbildung des Volto Santo von Manoppello. Es wurde als das Grabtuch von Christus verehrt, auf dem das Heilige Antlitz des auferstandenen Jesus abgebildet ist.

Bei der Inthronisation des Schweißtuchs von Manoppello in Manila wurde auch darauf hingewiesen, dass dieses Schleiertuch nicht mit dem Schleiertuch verwechselt werden darf, das eine Frau namens Veronika benutzte, um das Gesicht von Jesus auf seinem Weg zum Kreuz abzuwischen, sondern vielmehr um das Tuch, das in Übereinstimmung mit der jüdischen Tradition auf das Gesicht des toten Jesus gelegt worden ist

Seit dem 5. September 2014 erhalten in Manila die Gläubigen der Philippinnen die einmalige Gelegenheit, das zu verehren, was viele glauben, dass es sich nämlich beim Volto Santo um einen Abdruck des Herrn handelt, um das Heilige Antlitz von Jesus, um eine Schleier, der gewöhnlicherweise von den Juden benutzt wurde, um das Gesicht des Toten bei einer Beerdigung zu bedecken. In Manila wird also nun "der Schleier von Manoppello" verehrt, der seit 400 Jahren von den Kapuzinern in den Abruzzen aufbewahrt wird.

Seit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. am 1. September 2006 kommen immer mehr Besucher nach Manoppello, um das Gesicht auf dem geheimnisvollen Schleier zu verehren, der deckungsgleich mit dem Gesicht des Turiner Grabtuchs ist und das auch nicht von Menschendhand gemalt sein kann. Das Grabtuch von Turin zeigt das Bild eines Mannes mit geschlossenen Augen und frischen Wunden, während das Bild des Manoppelllo Tuches Gesichtszüge mit einem offenen Mund und geschlossenen Wunden zeigt.

Der Volto Santo kann meines Erachtens nicht als eine Metapher der Aufstehung angesehen werden, wie Christian Lehnert in den "Korinthischen Brocken" in der letzten Ausgabe der VERA ICON geschrieben hat. Genauso wenig wie das verwandelte Brot in den Leib Christi und der verwandelte Wein in das Blut Christi nach katholischem Glauben nicht als ein bloßes Symbol bzw. als eine bloße Metapher betrachtet werden kann, sondern als die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfer Christi angesehen werden muss, kann das Turiner Grabtuch und der Volto Santo nicht als bloße Metapher für die Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi, sondern als reales Zeugnis von dem Tod und der Auferstehung Jesu angesehen werden.

Am vergangenen Donnerstag feiert die katholische Kirche das Fronleichnamsfest. In diesem Fest wird öffentlich sichtbar dargestellt, dass es sich bei der heiligen Messe zugleich um ein Opfer und ein Mahl handelt. Sie vereinigt das Opfer von Golgotha mit dem Passahmahl, dem Ostermahl, das Jesus vor seinem Tod mit den Aposteln gefeiert hat. Der Glaube an diese zwei geheimnisvollen Wirklichkeiten liegt zwar heute im Argen. Dennoch handelt es sich um die Mitte des christlichen Glaubens und christlichen Lebens. Viele Glaubenswahrheiten sind heute in der Gefahr verloren zu gehen, wenn sie nicht schon verloren gegangen sind. Dazu gehört der Glaube an das eucharistische Geheimnis und damit der Glaube, dass in der heiligen Messe das Kreuzesopfer gegenwärtig wird und der Glaube an die Gegenwart Christi, des Gekreuzigten und Auferstandenen, in den eucharistischen Gestalten. Die eucharistische Anbetung macht nur Sinn, wenn man von der Transsubstantiation von Brot und Wein in das Fleisch und Blut Christi ausgeht.

Sowohl dieser Glaube an die Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers Jesu Christi in der Eucharistie wie auch der Glaube an die Auferstehung und an die Authentizität der Grabtücher ist heute oft verdünnt zu reiner Symbolik. Dabei werden aber das biblische Zeugnis und der Glaube der Jahrhunderte missachtet. Christus hat uns die Eucharistie geschenkt, um seine Erlösung fortwährend wirksam zu machen in unserer Welt, um uns Speise zu sein und um auf geheimnisvolle Weise bei uns zu bleiben. Unmissverständlich hat Christus das, was äußerlich die Gestalt des Brotes hat, als seinen Leib, und das, was äußerlich die Gestalt des Weines hat, als ein sein Blut bezeichnet. In der Verheißung dieser Wirklichkeit, wovon im 6. Kapitel des Johannes-Evangeliums die Rede ist, hat er den Anstoß seiner Gegner nicht beschwichtigt oder als Missverständnis bezeichnet. Und von Anfang an gibt es eine Fülle von Zeugnissen dafür, dass man diese sakramentale Speise als Fleisch und Blut des Erlösers verstanden hat, als Fleisch und Blut des verklärten Christus. Die Kirche hat an diesem Glauben festgehalten trotz der Versuche, diesen Glauben rationalistisch zu verfremden und symbolisch aufzulösen.

In ähnlicher Weise muss man meines Erachtens auch die nicht von Menschenhand gemachten Bilder auf den beiden Grabtüchern betrachten. Es ist anzunehmen, dass, nachdem Petrus und Johannes die Tücher an sich genommen haben, die Grabtücher von Anbeginn als wirkliche Zeugnisse für den Tod und die Auferstehung Jesu angesehen wurden und sicherlich nicht als bloßes Symbol oder Metapher für die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu. So wie die Berichte der Apostel in den Evangelien als authentische Zeugnisse angesehen wurden, sahen sie sicherlich auch die Grabtücher als authentische Zeugnisse von der Kreuzigung und der Auferstehung Jesu an.

Bischof Friedhelm Hofmann als Schirmherr des Würzburger Symposions hat auf der Würzburger Tagung anhand moderner Christusbilder eindrucksvoll den individuellen künstlerischen Umgang in Vergangenheit und Gegenwart mit der Darstellung des inkarnierten Gottessohnes aufgezeigt und dargelegt, dass es sich bei einem von einem Künstler gemalten Bild immer um eine subjektive Weise handelt, das Geschehen von der Kreuzigung bzw. Auferstehung darzustellen. Bei gemalten Bildern spielt die Phantasie des Künstlers eine Rolle. Dabei kann das geheimnisvolle Geschehen von Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi entweder mehr "realistisch" wie bei Grünewalds Gemälden oder mehr abstrakt und metaphorisch wie in modernen Darstellungen gemalt werden.

Aber von jeder künstlerischen Darstellung muss man das reale Geschehen bzw. die Dokumentation eines realen Geschehens unterscheiden. Da aber in der Moderne nur das als real gilt, was empirisch verifizierbar ist, gilt von vornherein alles Übernatürliche als nicht verifizierbar und damit prinzipiell als illusionär und märchenhaft. Galt in der Antike und im Mittelalter die unsichtbare Welt als die sicherste – als die ewige und unveränderliche Welt Gottes, so gilt in der Moderne umgekehrt das Sichtbar als das allersicherste und das Unsichtbare als das aller unsicherste. Von daher ist es verständlich, dass sowohl die Empfängnis Jesu ohne einen leiblichen Vater, die Jungfräulichkeit Mariens als auch die Kreuzigung Jesu als Erlösungsopfer und die Auferstehung Jesu und alle in den Evangelien berichteten Wunder nur symbolisch interpretiert werden, da all dies nicht empirisch verifiziert werden kann.

Johannes Paul II. hat in "Erinnerung und Identität" darauf hingewiesen, dass seit der europäischen Aufklärung das große Drama der Heilsgeschichte der Erlösung der Menschen verschwunden ist. "Der Mensch war allein geblieben – allein als der Schöpfer seiner eigenen Geschichte und seiner eigenen Zivilisation, allein als derjenige, der entscheidet, was gut und was böse ist, als der, welcher sein und handeln würde, als wenn es Gott nicht gäbe" (Johannes Paul II., Erinnerung und Identität, Augsburg 2005, S. 25.).

In der Fußwaschung Jesu beim letzten Abendmahl und im Einsetzungsbericht der Eucharistie kommt der Liebescharakter Gottes am Deutlichsten zum Ausdruck. Da Liebe nur mit Liebe beantwortet werden kann, muss der gläubige Christ deshalb z. B. den Besuch des Gottesdienstes und die eucharistische Anbetung nicht als Pflicht verstehen, sondern als sein innerstes Verlagen verspüren, nämlich mit dem vereint zu sein, der die Liebe ist. Und analog zur eucharistischen Anbetung muss man in der Verehrung des Volto Santo den mit Liebe ansehen, der aus Liebe zu uns sich geopfert hat und uns von aller Schuld erlöst hat. Wer Gott nicht liebt und in Gott nicht die Liebe sieht, wird nie zu einem angemessenen Verständnis der Eucharistie und der Grabtücher gelangen. Liebe kann man nur mit Liebe beantworten. Einen wissenschaftlichen Beweis der Liebe kann es weder bei einem Brautpaar noch bei der Liebe Gottes geben. Nur wer in den eucharistischen Gestalten das Liebesopfer sieht, sieht auch in den Grabtüchern ein Zeugnis der Liebe Gottes. Die Wirklichkeit der Liebe Gottes ist eben größer, als man mit wissenschaftlichen Beweismethoden erkennen kann. Dazu ist, wie Pfr. Läufer in seiner Stellungnahme schreibt, eine viel ursprünglichere Erkenntnismethode notwendig, "nämlich das Vertrauen in das Wort des andern, die Tradition. Sie ist auch die ursprüngliche Weise, die Botschaft Christi weiterzugeben. Er hat nie gesagt: "Schreibt auf". Denn die meisten Menschen konnten damals ja nicht lesen, sondern "Verkündet". Wenn man bei einer "Wissenschaftlerkonferenz" über "Ursprung und Herkunft des Christusbildes" dem Glauben dienen will, müsste dies auch deutlich betont werden".

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