Der Volto Santo von Manoppello - Das wahre Antlitz Jesu

Das Bild nebenan ist von besonderer Art. Um die Bedeutung des Volto Santo von Manoppello (Italien) verstehen zu können, muss man nicht nur seine Geschichte kennen, sondern auch seine Eigenart. Er ist kein Bild wie andere, er ist einzigartig auf der Welt in mehrfacher Hinsicht:

1. Die Einzigartigkeit dieses Bildes

- Er ist kein menschliches Kunstwerk und wurde "nicht von Menschhand gemacht". Die wissenschaftlichen Untersuchungen im Jahre 2007 bestätigen, dass das Gesicht nicht mit Farbe gemalt ist.

- Dieses Bild ist auch nicht auf Leinwand oder Holz gemalt wie andere berühmte Portraits, es zeigt sich auf einem Schleiertuch aus Muschelseide, die aber nachweislich nicht bemalt werden kann. Es gibt kein anderes Bild auf einem Muschelseidentuch.

- Der Volto Santo ist durchsichtig und das Gesicht darauf ist nicht immer zu sehen, sondern verschwindet, wenn der Hintergrund hell ist
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Volto Santo von Manoppello
Foto:
Paul Badde 2008
Dieses Foto zeigt eindrucksvoll die Durchsichtigkeit des Volto Santo in der Klosterkirche in Manoppello).

- Es ist nicht im Atelier eines Künstlers entstanden, sondern alle Zeugnisse über ihn (s. Dokumentation) weisen zurück bis ins leere Grab Jesu. Der Bischof Irenäus schreibt um das Jahr 200, dass Christusbilder gemalt werden nach einem Vorbild, das bereits z. Z. des Pilatus entstanden sei. Nach den Aussagen des Johannesevangeliums (um 90 n. Chr.) haben Petrus und Johannes am Ostermorgen im leeren Grab neben dem Grabtuch auch ein sog. "Schweißtuch, das in einhüllender Form geblieben an einer einzigen Stelle über dem Kopf lag" gefunden (vgl. Joh. 20, 5f).

- Die Christusbilder sind seit dem 6. Jahrhundert nach dem Gesicht auf dem Volto Santo gemalt worden
 
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Christusikone im Katharinenkloster auf dem Sinai 6. Jh.,
nicht auf Muschelseide, sondern auf Leinwand oder Holz. Niemand konnte es bis jetzt originalgetreu malen.

- Das Gesicht auf dem Volto Santo ist nach neuesten Untersuchungen in allen Ausmaßen deckungsgleich mit dem Gesicht auf dem Turiner Grabtuch 

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Das Turiner Grabtuch
Links:
Foto, wie man das Gesicht auf dem Leinentuch sieht.
Rechts: Fotonegativ, wie es sich erstmals 1898 zeigte.

- Beides, der Volto Santo und das Turiner Grabtuch, sind also zwei verschiedene Bilder vom gleichen Gesicht, wobei das Gesicht auf dem Turiner Grabtuch nur schwach als Negativ auf einem Leinentuch zu sehen ist und erst durch das Negativ der Fotographie 1898 richtig sichtbar wurde. Das Gesicht auf dem Volto Santo dagegen ist von beiden Seiten richtig sichtbar. Denn es ist durchsichtig wie ein Dia. Wer dieses einzigartige Bild verstehen will, muss aber auch seine Geschichte kennen.

2. Die Geschichte des Volto Santo von Manoppello

In Würdigung aller vorliegenden Quellen kann man als kurzen Überblick über die Geschichte des Schweißtuches Jesu folgende Chronologie festhalten:

Im Jahre 30, am Ostermorgen 10. 04. 30, finden Petrus und Johannes neben dem Grabtuch auch ein "Schweißtuch" im leeren Grab. 

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vgl. Joh. 20, 5ff; die Frauen am leeren Grab.
Aus dem Salzburger Perikopenbuch um 1020.
Ob sie damals schon die Abbildungen auf den Tüchern sahen, bleibt offen.

Zwischen 30 – 50, nach der Himmelfahrt Christi, bewahrte Maria das Schweißtuch bei sich auf, wie ein Text aus Tiflis bezeugt.

Um 50 n. Chr. bringt vermutlich der Apostel Thomas (oder Judas Thaddäus) das Schweißtuch nach Edessa zu König Abgar (13 – 50). Zur Sicherung bei einer Belagerung wird es in der Stadtmauer versteckt, wie es die "altrussische Lukaslegende" (12. Jh.) berichtet. Was daran historisch zu werten ist, bleibt offen. Doch für die Historizität bleibt es unerheblich, wie diese Bilder nach Edessa in die Stadtmauer kamen. Denn historisch bezeugt ist, dass sie dort um 540 gefunden wurden.

Um 200 bezeugt Bischof Irenäus (+202), der aus Kleinasien stammte, dass Christusbilder nach einem "Urbild" angefertigt werden, das schon z. Z. des Pilatus entstanden ist (vgl. Paul Badde S. 132). Ob dieses "Urbild" jenes ist, das man 544 (oder schon 525) in der Stadtmauer von Edessa fand, ist historisch nicht zu klären.

Im Jahre 544 wird das "Schweißtuch", das "von Gott erschaffene Bild" und das "Grabtuch" ("ein weiteres Abbild des Bildes") von einem Bischof in der Stadtmauer von Edessa gefunden.
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vgl. Internet: http://www.haefely.info/, Christliche Ikonographie S. 2f; s. Illert S. 326f, s. Ein Bischof findet um 544 in der Stadtmauer von Edessa den Volto Santo und das Grabtuch.
Der Geschichtsschreiber Evagrius Scholasticus nennt es "das von Gott erschaffene Bild, das nicht von Menschenhand gemacht wurde". Er identifiziert es aber mit dem Abgarbild, was zu großer Verwirrung und Legendenbildung führte. (vgl. Abgarlegende).

Im Jahre 550 lässt Kaiser Justinian (527 – 567) die Kirche Hagia Sophia in Edessa erbauen, in der das Grabtuch und Schweißtuch die zentrale Reliquie ist. Zur Einweihung dieser Kirche wird der Hymnus (Sukitha) auf die Kathedrale von Edessa gedichtet. Wörtlich heißt es darin: "Geprägt ist der Marmor durch das Bild, das nicht von Händen (gemacht) ist" (s.Illert S. 63 Anm. 256). Dies ist die älteste historische Erwähnung des "nicht von Händen gemachten Bildes". Danach kam es wahrscheinlich nach Kamulia, von wo es im Jahre 574 nach Konstantinopel kam (vgl. Pfeiffer S. 21ff).

Im Jahre 570 schenkte Kaiser Justin II. Papst Johannes III. ein Reliquienkreuz, dessen Christusmedaillon dem Schweißtuch gleicht. Es wird noch heute im Vatikan aufbewahrt. Ab dieser Zeit entstehen auch Ikonen und Christusbilder, die dem Volto Santo ähnlich sind (s. Bild Nr. 5).

Im Jahre 574 kam das "Schweißtuch" ("das nicht von Menschenhand gemachte aus Kamuliana") nach Konstantinopel, wie der Geschichtsschreiber Kedrenos schreibt.

Im 6. Jahrhundert gilt dieses "Schweißtuch" allgemein als "nicht von Menschenhand gemacht"(vgl. 585 Theophyklatos; 586 Georgios Pisides; 622 Theophanes).

Um 700, noch vor dem Bilderstreit, gelangte es auf geheimen Wegen von Konstantinopel nach Rom.

Im Jahre 731 begründet Papst Gregor II. in einem von ihm veranlassten Brief die Bilderverehrung mit dem Hinweis auf "das nicht von Händen gemachte Bild" Christi" (s.Illert S. 70).

Vor 740 begründete der Metropolit Andreas v. Kreta (660 – 740) die Bilderverehrung mit dem Hinweis auf "das verehrungswürdige Bild unseres Herrn Jesus Christus, das ein Abbild seiner Körperlichkeit ist" (s. Illert S. 70). Er meint hier vermutlich das Grabtuch, das damals noch bis 944 in Edessa war.

Im Jahre 753 trägt Papst Stephan II. "ein nicht von Menschenhand gemachtes" Christusbild durch Rom (vgl. Liber pontificalis, P Badde S. 131). Wie es von Konstantinopel nach Rom kam, ist nicht geklärt.

Im Jahre 1011 lässt Papst Sergius im alten Petersdom dem sog. "Schweißtuch" (sudarium) in der Veronikakapelle einen eigenen Altar errichten (vgl. P. Badde S. 133).

Im Jahre 1143 wird erstmals das "Schweißtuch" auch "Veronika" (vera ikon) genannt (P. Badde S. 133). Dies führte zur Verwechslung mit der Veronika am Kreuzweg (vgl. Schweißtuch der Veronika).

Im Jahre 1208 ordnete der Papst eine Prozession mit der "Veronika" vom Petersdom zur Kirche Santo Spirito an (P. Badde S. 133).

Im 13. Jh. malten Künstler, wie z.B. Pietro Cavallini in der Kirche S. Cecilia (Rom), Christusbilder, die dem Gesicht auf dem Volto Santo ähnlich sind (s. Internet unter: Pietro Cavallini oder P. Badde S. 160ff).

Im Jahre 1350 sieht die hl. Brigitta auf einer Romwallfahrt das Schweißtuch und erkennt es als Wunder.

Um 1375 malt der "Meister von Flémalle" sein Veronikabild mit dem Schleierbild, wie die "Veronika" in Rom vermutlich aussah (Badde S. 160ff).

Im Jahre 1506 wird für die "Veronika" beim Neubau des Petersdomes ein Pfeiler als Schatzkammer vorgesehen. Sie kam aber nie hinein. Denn sie gelangte vermutlich vor dem Sacco di Roma (1527) auf geheimen Wegen nach Manoppello.

Im Jahre 1545 nennt M. Luther die "Veronika" eine Fälschung. Damit bestätigt er, dass er sie 1512 wohl gesehen hat. (P. Badde S. 120).

Im Jahre 1574 sucht Dottore Rozzi überall nach der "Veronika", sie muss also bereits damals in Rom schon abhanden gekommen sein (s. P. Badde S. 139).

Seit 1608 wird die "Veronika" im Pfeiler des Petersdomes nur noch von ferne gezeigt und kein Foto davon veröffentlicht. Dies ist ein eindeutiger Hinweis, dass man eine Kopie (Fälschung) hineinstellte.

Am 19. 05. 1628 erlässt Papst Urban VIII ein Edikt, wonach alle Kopien der römischen Veronika zurückgegeben werden müssen (s. P. Badde S. 138).

Am 06. 04. 1646 veröffentlicht Donato da Bomba den Bericht über den "Volto Santo". Seitdem ist er im Besitz der Kapuziner und wird in der Klosterkirche von Manoppello aufbewahrt. Heute ist er in einer Monstranz

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Der Volto Santo in der Klosterkirche von Manoppello, vom Altar aus gesehen am Hochaltar ausgestellt und kann von jedem aus nächster Nähe betrachtet werden.

Die Geschichte des "Volto Santo" nach Aussagen dieses Berichtes ist: 1506 übergibt ein geheimnisvoller Pilger (oder ein Engel?) das Tuch dem Physiker Giacomo Leonelli auf dem Platz der Kirche San Nicola di Bari in Manoppello. Die Reliquie blieb im Besitz der Familie Leonelli bis 1608. Maria Leonelli verkauft nach dem Tod ihres Mannes dieses Tuchbild an Dr. Antonio de Fabritiis. 1638 schenkt Dr. Antonio de Fabritiis das Tuchbild dem Kapuzinerkloster, das um 1620 in Manoppello erbaut wird. Es wird durch den Bruder Remigio da Rapino restauriert und danach in der Kirche aufgestellt, wo es noch heute zu sehen ist.

Am 1. Sept. 2006 besuchte Papst Benedikt XVI. als erster Papst der Geschichte Manoppello und hielt mit über 5000 Pilgern eine Feierstunde vor dem Volto Santo.

Anmerkung:
Die wichtigsten Quellen zur Begründung dieser Geschichte sind in einer Dokumentation zusammengestellt. Sie kann beim Verfasser erworben werden oder in dieser nachgelesen werden.

3. Weiterführende Informationquellen zum Volto Santo auf unserer Website

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Der Volto Santo in der Klosterkirche von Manoppello von der Rückseite aus gesehen.

a Volto-Santo -  Geschichte nach historischen Zeugnissen
b Volto-Santo -  Dokumentation der Zeugnisse
c Volto-Santo -  Schweißtuch der Veronika
d Volto-Santo -  Abgarlegende
e Volto-Santo -  Gregorsmesse
f Volto-Santo -  Aufbewahrungsorte in Rom
g Volto-Santo -  Prospekt über Materialien
h Volto-Santo – Soprapositionen

siehe auch Internet:
"Urbild aller Ikonen": http://www.volto-santo.com/
"Abgar-Bild-Wikipedia": http://de.wikipedia.org/
"Schleier Manoppello": http://www.kathpedia.com/

Verfasser: Pfarrer Josef Läufer

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