Volto Santo - Vera Icon

Wie hat die "Vera Icon" von Rom ausgesehen?

Papst Bonifatius VIII. (1294 – 1303) hat das Jahr 1300, das damals an Weihnachten begann, zum ersten Heiligen Jahr erhoben. Der berühmte Maler Giotto hat dies miterlebt und auf diesem Gemälde im Lateran festgehalten (1.Bild).

Es zeigt Papst Bonifatius VIII. segnend auf der Loggia und rechts davon einen Diakon, der die päpstliche Jubiläumsbulle öffentlich verliest. Sie beginnt mit den Worten: "Der glaubwürdige Bericht der Alten sagt, dass jenen, welche die ehrwürdige Basilika des Apostelfürsten betreten, große Verzeihungen und Nachlässe gewährt werden". Während dieses Jubiläumsjahres wurde erstmals die "Vera Icon"  (= wahres Bild), die bisher in der Papstkapelle "Sancta Sanctorum" aufbewahrt wurde, öffentlich im Petersdom gezeigt. Seitdem wurde sie zur kostbarsten Reliquie der Christenheit und von unzähligen Menschen verehrt. Doch wie sah jene "Vera Icon" aus? Darüber haben wir nun eine klarere Vorstellung. Denn auf der päpstlichen Jubiläumsbulle von 1300 (2. Bild) ist sie
 

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3. "Vera Icon" auf der Papstbulle von 1300 4. Volto Santo von Manoppello 5. Überlagerung v. "Vera Icon" u."volto santo"
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1. Giotto: Bobifatius VIII. eröffnet das 1. Hl. Jahr

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2. Kopie mit der päpstlichen Jubiläumsbulle von 1300

zwischen den Aposteln Petrus und Paulus abgebildet, wie diese Kopie zeigt. Man sieht das Gesicht Jesu ohne Dornenkrone, mit zentralem Blick, mittlerem Haarscheitel und offenem Mund, genau so wie die Gesichtszüge des Volto Santo (4. Bild). Eine Vergrößerung macht dies noch deutlicher (3. Bild), ebenso ein Vergleich mit dem Mandylion im Vatikan und in Genua. Legt man die Vera Icon von 1300 und den Volto Santo aufeinander (5. Bild), wird vollends anschaulich, dass der Volto Santo die Vera Icon von Rom ist, die zum Jubiläumsjahr 1300 erstmals öffentlich im Petersdom ausgestellt wurde.

Damit wird ikonographisch bestätigt, was der Kunsthistoriker Prof. Heinrich Pfeiffer bereits 1992 feststellte, dass der Volto Santo von Manoppello die verloren geglaubte "Vera Icon" von Rom ist. Christusbilder aus jener Zeit  veranschaulichen, dass sie nach diesem Urbild gemalt wurden, wie z. B. die Veronika im Psalter der Yolande von Soissons, Ende 13. Jh. (6. Bild) oder das Fresko der römischen Veronika, 14. Jh (7. Bild).                   
        
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6. Veronika im Psalter der Yolande
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7. Fresko der römischen Veronika

Auch in der Hauskapelle des Papstes, der Sancta Sanctorum, wo die Vera Icon bis 1290 aufbewahrt wurde, ist uns ein Abbild von ihr erhalten. Unter Papst Nikolaus III. (1277 – 1280) wurde diese Kapelle neu gestaltet und mit Fresken ausgemalt, wie sie heute noch zu sehen ist. Ein Fresko darin zeigt Christus auf dem Thron (8. Bild). Sein Gesicht (9. Bild) trägt unverkennbar die Gesichtszüge des Volto Santo, und zwar vom Altar aus gesehen (10. Bild), wie die Überlagerung deutlich macht (11. Bild).
 

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9. Gesicht von Christus auf dem Thron
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10. Volto S.Altaransicht
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11. Überlagerung mit dem Volto Santo
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8. Christus auf dem Thron, Fresko in der Papstkapell, um 1280


Ebenso aus dieser Zeit stammt das "Hagion Mandylion" (das heilige Mandylion), wie es auf dem Bild rechts und links auf griechisch heißt. Es befindet sich als Fresko in einer griechischen Kirche, 12. Jh. Es ist nicht nach dem Turiner Grabtuch gemalt, wie der Titel "madylion" nahe legt, sondern eindeutig nach dem "Vera Icon", dem heutigen Volto Santo, wie die Gesichtszüge, die Haare, der Blick usw. bezeugen.

Die Abbildung des Mandylions in einer griechischen Handschrift um 1100 (13. Bild) scheint zwar nach dem Turiner Grabtuch gemalt zu sein, wie die farbliche Tucheinfassung nahe legt. Denn das Turiner Grabtuch war früher vierfach gefaltet und in ein Tuch eingewickelt, so dass nur noch das Gesicht zu sehen war (14. Bild). Doch betrachtet man dieses Bild genauer, dann zeigt das Gesicht links Christus nach dem Volto Santo von der Treppenansicht und das Bild rechts das Gesicht des Volto Santo vom Altar aus.      
Es wäre damit ein doppeltes Zeugnis dafür, dass man damals schon die beidseitige Ansicht der Vera Icon wahrnahm und auch Christusbilder nach beiden Ansichten malte (vgl. 9. Bild). Das Turiner Grabtuch konnte man damals nicht als Urbild für Christusbilder verwenden, weil das Gesicht im Fotonegativ abgebildet ist. Wie aber kann man ein Gesicht positiv malen, wenn man vom Fotonegativ nichts wusste. Es wäre ein reines Fantasiebild entstanden. Denn erst seit 1898 weiß man durch Secondo Pia, der erstmals das Grabtuch fotografierte, dass die Abbildungen auf dem Grabtuch ein Fotonegativ ist und erst durch das Negativ des Fotos richtig erscheint.

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12. Fresko in einer griechischen Kirche, 12. Jh.

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13. Mandylion in griechischer Handschrift 1100

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14. Grabtuch von Turin, vierfach gefaltet

Ausdrücklich nach der Vera Icon gemalt ist die "Sainte Face" von Laon (15. Bild). Sie ist eine Ikone aus dem serbischen Raum. Und als Unterschrift stehen die Worte darauf: "Antlitz des Herrn auf dem Tuch". Die Überlagerung mit dem Volto Santo macht deutlich, dass dieses besagte Tuchbild der Volto Santo ist, die frühere Vera Icon von Rom.

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15. "Sainte Face" von Laon 16. Überlagerung mit Volto Santo

Bildnachweis:
s. Google: "Die Templer und das Grabtuch von Turin": Bild 2, 6, 7, 12, 13,
s. Google: "Jubeljahr – Wikipedia": Bild 1

Anmerkungen von Pfr. Josef Läufer

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